Ypsilon ist der vorletzte Buchstabe des Alphabets, er steht direkt vor dem Ende. Und gerade fühlt es sich so an, als würde alles kurz vor dem Ende stehen. Aber was, wenn es nicht das Ende ist? Was, wenn man nicht die Reißleine zieht? Wenn man das Feuer nicht löscht, nicht stehen bleibt, nicht nach hinten sieht? Und wenn das doch das Ende ist, ist dann alles gesagt? Es heißt, das erste Album sei das leichteste und das schwerste. Nun schaut Yassin mittlerweile auf eine umfangreiche Diskografie seiner Band Audio88 & Yassin zurück – 10 Jahre sind seit der ersten Veröffentlichung vergangen – und dennoch handelt es sich nach diversen Chartplatzierungen und ausverkauften Tourneen bei „Ypsilon“ um Yassins Solo-Debüt. 1985 in Hessen geboren und musikalisch sozialisiert durch das Werk von Moses P. und dessen „Frankfurter Schule“, versucht Yassin schon lange dem eigenen, sehr hohen Anspruch an das erste Solo-Album gerecht zu werden. Doch wichtige Lieder und ein wichtiges Album entstehen aus Lebenserfahrung und diese muss erst gesammelt werden. So finden sich auf „Ypsilon“ erstmals klar autobiografische Songs neben persönlichen und intimen Einblicken und der feinfühligen und verzweifelten Auseinandersetzung mit dem aktuellen politischen Klima als Mensch mit algerischen Wurzeln in Deutschland. Allen Widrigkeiten zum Trotz, wendet er den Blick nach vorne und eröffnet damit ein neues Kapitel seiner eigenen Geschichte. Dazu hat Yassin auch musikalisch einen großen Sprung gewagt. Der musikalische Horizont wurde weiter, der Sound bis in die letzte Hihat stimmig und spannend. Komplexe Arrangements brechen mit den HipHop-typischen Hörgewohnheiten und ziehen den Hörer in Yassins eigene Klangwelt. Botschaften finden ihren Weg über eingängige Melodien, anstatt sie mit Vorschlaghammer-Drums in den Gehörgang zu prügeln. Das homogene Soundbild ist organisch, aber progressiv. Vor allem geht Yassin mit seinem Album ausdauernd auf Tour. Nach seiner ausverkauften Show im März und der darauffolgenden Zusatzshow im April hat der Hesse jetzt bestätigt, dass er im Herbst erneut nach Hamburg kommen wird: Am 24. Oktober spielt Yassin im Molotow.