Um die Musik von Katy Kirby zu verstehen, muss man zunächst einmal wissen, was CCM ist: Christian Contemporary Music ist diese absolut sterile, kontur- und stillose Form von Pop, der in den Gottesdiensten evangelikaler Christen gemacht wird, in immer den gleichen Tonarten, die von allen Mitgliedern problemlos mitgesungen werden können. Kurz: die musikalische Hölle seelenloser Schönheit in wenigen Akkorden.
Katy Kirby ist selbst als Tochter zweier gläubiger Ex-Cheerleader im Bible Belt aufgewachsen und hat eben diese Musik geatmet. Und nun stelle man sich einerseits dieses junge Mädchen vor, das bei einer Autofahrt mit der Mutter einer Freundin erstmals die White Stripes und Sufjan Stevens zu hören bekommt und andererseits die Songs, die sie anschließend schreibt. Dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie ihr Debütalbum „Cool Dry Place“ klingt. Mittlerweile hat sie auch mit der Religion gebrochen.
Die Liebe zum absolut harmonischen Chorgesang „stammt sicher noch aus der Kirchenmusik. Es fällt mir total schwer, meine Songs nicht komplett mit Gesangsstimmen zu überfrachten“, sagte sie dem Deutschlandfunk. Auf der anderen Seite hat sie kein Problem damit, einen Bruch auch zufällig zuzulassen, wie den Einsatz von Autotune im Stück „Traffic“: Weil ihre Stimme von ihrem Job im Call Center angeschlagen und sie zudem erkältet war, wurde die Arbeit provisorisch mit Chers Stimmentröster weitergeführt – und dabei ist es einfach geblieben. Vergoldet aber wird der schwingende und beschwingte Folk durch diese großartigen Lyrics. Katy Kirby mag ihren Glauben verloren haben. Aber das ist ein Glücksfall, denn dafür wurde sie eine Poetin vor dem Herrn und erzählt in ihren Songs poetische Geschichten voller nie gehörter Sprachbilder und Metaphern. Vom Opener „Eyelids“ – wer erinnert sich an einen zweiten, tollen Song über Augenlider? – bis zum krönenden Abschluss „Fireman“, der ihr Baby ist, ist sie eine tolle Storytellerin des magischen Realismus und entführt uns sirenengleich mit ihrem süßen Gesang und den lockeren Harmonien in ihre schwer verständliche Parallelwelt. Dort kann es uns nur gutgehen. Ende März nächsten Jahres kommt Katy Kirby für eine exklusive Show nach Berlin.


Booking: Sabi Trick

  • — Berlin | Prachtwerk

    Einlass:  Uhr Beginn:  Uhr

    präsentiert von

    ByteFM, Bedroomdisco

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