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JOSEPH J. JONES

Sein Vater war Amateur-Box Champion, sein Großvater spielte im BBC-Swing-Orchester die Gitarre und seine Großmutter war Konzertpianistin. Er selbst ist ein ziemlich begabter Zeichner und nebenbei Fan von West Ham United, dem Londoner Premier-League-Club, der eben auf einen Abstiegsrang zurückgefallen ist. In welche Richtung sich Joseph J. Jones Karriere entwickeln würde, war also nicht ausgemacht. Letztlich verbindet er all diese Komponenten in seinen Songs: Vom Boxen hat er die Kraft, die Energie, den Kampfeswillen; vom Jazz kommt dieser soulige Einschlag, die gekonnte Lässigkeit, das Timing, die Improvisationsfreude; vom Klavierspiel und vom Zeichnen hat er die Präzision, die klare Ausdrucksfähigkeit. Tja, und West Ham hat ihn Leidensfähigkeit und Geduld gelehrt. Und ganz natürlich auch, wie man einen Pub voller grölender Fußballfans mit einem Song zum Schweigen bringen kann. Jones hat die Statur eines Boxers, die markanten Gesichtszüge eines Londoner Türstehers, das Herz eines Löwen und ein Organ voller Sehnsucht und rauer Härte, das man so noch nicht gehört hat. Nach langen Jahren, in denen er mit seiner Gitarre durch die Kneipen getingelt ist und Betrunkene mit Top-40-Liedern angesungen hat, hört ihm die Welt jetzt endlich zu: Seine Debüt-EP „Hurricane“ aus dem vergangenen Jahr ist ein Musterstück an tief empfundenem, souligem Pop, die jüngst erschienene Single „Crawl“ eine schwere, dreckige Liebeshymne, die Jones mit seiner dunklen Stimme so richtig mit Leben füllt. Im September war er das erste Mal in Deutschland unterwegs: auf dem Reeperbahn Festival war er einer der heißest erwarteten Acts, beim New Pop Festival stach er heraus, und auf der kurzen Tour begeisterte er alle Zuhörer, die ihn vorher noch nicht kannten, mit seinen seelenvollen Liedern direkt aus dem (britischen) Leben. Jetzt hat Joseph J. Jones bestätigt, dass er im Mai erneut zu uns auf Tour kommt.

In Josephs Heimat England entwickeln sich Songs wie „Gospel Truth“ und „Whisper To A Hurricane“ so langsam zu Hits – und die Kunde seines Bühnencharismas ist schon lange kein Flüstern mehr. Dabei war Joseph J. Jones kurz davor, die Musikerkarriere an den Nagel zu hängen – obwohl ihm die Musik förmlich im Blut lag. Sein Großvater war Jazzgitarrist bei der BBC und Joseph selbst entdecke in der 9. Klasse sein Talent, als er für den besten Kumpel einen Sinatra-Song nachsang und plötzlich die gesamte Klasse mit offenem Mund vor ihm stand. Mit 15 tingelte er dann durch die Pubs, spielte stundenlang Coversongs für Bier und Bares. Eine harte, aber gute Schule, wie er selbst sagt: „Ich wollte mein Handwerk lernen, und diese Auftritte haben mir dabei geholfen. Wenn man merkt, dass das Publikum nur aus einem Menschen besteht, der über seinem Bier eingeschlafen ist, kann es danach nur noch besser werden.“

Wurde es leider erst einmal nicht: Obwohl es Joseph J. Jones sogar gelang, als bekennender West-Ham-Fan einen Millwall-Pub auf seine Seite zu bringen – nervten ihn die blöden Songwünsche und das Desinteresse bei den Thekenhängern. Was dann geschah, klingt fast, wie ein Song von ihm: „Ich hatte keinen Bock mehr. Und dann kam plötzlich diese Frau auf der Straße zu mir und meinte, sie sei ein Medium und hätte meinen Großvater Fred bei sich. Ich so: Wie soll das gehen? Er ist seit zwölf Jahren tot.ʻ Er hatte mich nie Musik machen sehen. Ich war so kurz davor, alles aufzugeben. Und sie hat gesagt: Dein Großvater sagt, du sollst bitte nicht mit dem Musikmachen aufhören.ʻ“
Die Belohnung kam wenig später: Inzwischen ist er 25, hat einen Plattenvertrag beim renommierten Communion-Label und einen Haufen großartiger Songs. Diese stechen aus dem Einheitsbrei der Musikwelt heraus, weil sie soundtechnisch eben nicht der Glanzzeit des Souls nacheifern, sondern auch den Einsatz moderner Elemente wie Samples oder Stimmeffekte zulassen – wenn sie denn passen.

Bei all dem wundert es nicht, dass sich die Branche schon zuraunt, sein Gig auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival sei der „place to be“. Schön, dass man danach noch die Gelegenheit hat, ihn auch außerhalb Hamburgs auf einer kleinen Tour live zu sehen.



Booking: Silke Westera

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