Da kommen gleich zwei Bands gemeinsam nach Hamburg, die sich in ihrer experimentellen Herangehensweise ähneln und doch recht unterschiedliche musikalische Ansätze haben.

Da ist zunächst mal We Are The City. Das kanadische Artrock-Trio geht mit seinem neuen, inzwischen fünften Album „RIP“ auf Tour. Mit der Veröffentlichung des Vorgängers „At Night“ bereits mit angedeutet, ist die neue Platte das zusammenhängende Begleitalbum, das als leuchtender Prog-Pop-Kontrapunkt fungiert zum deutlich experimentelleren und wilderen Charakter des Vorgängers. Zwei Jahre verbrachten We Are The City damit, „RIP“, ein emotionales Prog-Pop-Opus voller Hymnen, wie auch intime Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit, zu schaffen. Ein gemeinsamer Freund aus Kindertagen, der zu der Zeit plötzlich verstarb, als die Band mit der Arbeit am Album beschäftigt war, setzte tragisch einen neuen Fokus. We Are The City ließen daraufhin ihren Seelen freien Lauf, während sie gemeinsam Texte schrieben. Und sie hielten nichts zurück: Der schmerzende Titeltrack ist eine so bitter-süße Reflektion über die verlorene Freundschaft, auf dem eine improvisierte One-Take-Aufnahme von Sänger Cayne McKenzie zu hören ist, nur wenige Tage nach Bekanntwerden des plötzlichen Todes seines Freundes. Und trotz des traurigen Themas darf getrost davon ausgegangen werden, dass der Auftritt von We Are The City ein recht kraftvoller sein wird.

Das gilt selbstverständlich auch für die zweite Band des Abends. Hope gehen immer tiefer, auf Platte sowieso, aber noch mehr auf der Bühne. Würde Portishead heute in Berlin gegründet werden und Josef Beuys mit einer groben Drahtbürste die Band in Stücke reißen, um sie in einem dunklen, 30 Meter hohen Silo zur künstlichen Produktion für Eisberge auszustellen, käme dieses Gesamtkunstwerk Hope wohl am nächsten. Algiers und Idles waren die ersten, die sich außerhalb von Deutschland in dieses zerberstende emotionale Monster von Band verliebt haben, und mit denen sie ausgiebig auf Tour gingen. Dann wurden Hope von der Presse beim Eurosonic als neues, weirdes Popwunder gefeiert. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum haben sie mit Olaf Opal (The Notwist) in einer zerfallenen Lungenheilanstalt aufgenommen, um die innere Zerstörung und Kälte einzufangen. Es hat das Zeug zum zeitlosen Klassiker. Songs wie „Raw“, „Cell“, „Kingdom“ und „Drop Your Knives“ versprühen mehr dunkle und dystopische Energie als alle „Black Mirror“-Staffeln zusammen. Es sind Lieder, die dem entmystifiziertem, gentrifiziertem und kunstfreien Raum „Berlin“ entstanden sind. Die einzige Antwort auf die Gesellschaft in ihrem derzeitigen Stadium kann nach Hope nur die radikalste, unmittelbarste und freiste Kunst sein.

Und genau das verspricht der gemeinsame Abend mit Hope und We Are The City: Unabhängigkeit und Kunst um ihrer selbst willen, Stärke, Kraft, Verletzlichkeit und absolut neue Klänge. Oder wie die Kanadier es formulieren: „We will meet up with Hope and together we will heal you with harsh sounds.“ Am 6. März kommen die beiden Bands nach Hamburg ins Hafenklang.

  • — Hamburg | Hafenklang

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