Es ist schön, wenn man einer Band beim Erwachsenwerden zuhören kann. Insbesondere, wenn es musikalisch so aufregend und vielseitig passiert wie bei FIDLAR. Auf dem Debütalbum ging es den Jungs um das, was junge Menschen mit Punk-Haltung aus Kalifornien am meisten bewegt: Surfen, Saufen, Skaten, Lärm machen, jeden Tag leben als wäre es der Letzte. All das haben FIDLAR roh, unverbraucht, laut, brachial und sehr komisch zu herbem Punkrock aus der Garage verarbeitet. Die zweite Platte „Too“ setzt die Thematik fort, aber mit geänderten Vorzeichen: Der Lebensstil forderte seinen Tribut, Frontmann Zac Carper musste sich einem Heroinentzug unterziehen. Der Sound wurde etwas eingängiger, ohne den grollenden Unterton zu verlieren, die Songs haben reflektiertere Momente, nicht nur auf die Lyrics bezogen, sondern auch auf die straightere und konzentriertere Musik. Im Januar  folgte das dritte Album „Almost Free“ und dreht die Topics ins Allgemeine. Es geht um existentielle Ängste, Gentrifizierung, Nüchternheit oder das Grauen moderner Liebesbeziehungen. FIDLAR stellen dem die alten Ideale gegenüber: In einer Zeit der freudlosen Selbstoptimierung geht es darum, weniger vorsichtig zu sein und furchtloser gegenüber dem Dasein. Die Schäden, die damit einhergehen, zeigen, dass man noch lebt. Die Musik dazu ist so vielschichtig wie auf keiner anderen Veröffentlichung. „Almost Free“ beginnt mit einem furiosen Punk, HipHop-Crossover-Track mit geschrieenen Lyrics direkt aus der Beastie-Boys-Werkstatt und bewegt über Garagen-Bluesrock, poppige Grooves, graden Punk bis hin zum elektronisch veredelten Experiment. FIDLAR haben mit ihren Platten die eigene Geschichte in großartige  Songs gegossen und sind schon deswegen zu verehren. Noch mehr aber dafür, wie sie damit auf der Bühne umgehen: Das Quartett spielt perfekt zusammen, furchtlos, laut, krass und mit voller Kraft. Anfang September kommen FIDLAR für eine exklusive Show nach Berlin.


Booking: Phillip Brinker

  • — Berlin | Columbia Theater

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